„Vergiss nicht, die Eintrittskarten mitzunehmen!“
Dieser Satz ist schnell gesagt. Denn er benennt das, was wir vermeiden möchten, das, was jemand NICHT tun soll. Zum Beispiel auch:
- „Hör auf, mich ständig zu unterbrechen!“
- „Schmeiß das Glas nicht um!“
- „Nicht, dass du stolperst!“
Wir erkennen sofort, was wir nicht möchten, und äußern es. Das kann hilfreich sein: Die Hirnforschung weiß, dass bei Verlust, Abneigung und Angst das Gehirn in Bereichen besonders aktiv ist, in denen Emotionen verarbeitet werden. Und zwar aktiver als bei der Aussicht auf einen Gewinn oder bei Freude.
Hinweise dafür gibt es aus der Forschung zu Schnäppchen und zum Musikgeschmack. Dabei geht es um das Stichwort Verlustaversion, also die Abneigung, die wir gegenüber (möglichen) Verlusten spüren.
Doch hier kommt der Twist:
Aus der Psychologie wissen wir, dass das Hirn ein “nicht” auf besondere Weise verarbeitet: Es startet Verhinderungsprozesse (“Inhibition”) und kostet damit mehr kognitive Leistung. Ein Mehraufwand!
Ich stelle es mir so vor: Statt „nicht vergessen” zu verarbeiten, verarbeitet es “verhindern: vergessen”. Und schwupps ist der Fokus auf dem Vergessen. Das “nicht” fällt gedanklich weg. Übrig bleibt:
“Vergiss … die Eintrittkarten”
Nicht nur, dass dies mehr Denkleistung beansprucht und den Fokus verrückt – auch bleibt die Frage offen: Wie können wir es denn verhindern?
Was für ein Umweg.

Die Macht des positiven Formulierens
Jetzt haben wir einen schnellen Gedanken, der schnell formuliert ist, jedoch voller „Übertragungsfehler“ steckt. Wie können wir es uns – im Ergebnis – einfacher machen?
Indem wir positiv formulieren!
Damit meine ich: zu sagen, was sein SOLL, statt zu sagen, was NICHT sein soll.
- “Vergiss nicht, die Eintrittskarten mitzunehmen!” → “Denk dran, die Eintrittkarten mitzunehmen!”
- “Hör auf, mich ständig zu unterbrechen!” → “Lass mich den Gedanken zu Ende führen!”
- “Schmeiß das Glas nicht um!” → “Lass das Glas stehen!“
- “Nicht, dass du stolperst!” → schon etwas schwieriger, vielleicht so: “Bleib auf den Beinen!“, „Lauf weiter!“ oder „Komm heil an!“
So zu sprechen kostet am Anfang ebenfalls mehr Denkleistung. Es ist ungewohnt, und der plötzliche „nicht“-Gedanke kommt schneller über die Lippen, als wir innehalten können. Da kann ich nur ermutigen: Die erste Phase der Veränderung ist, dass Sie es überhaupt bemerken. Hinterher. Oder bei Anderen. Irgendwann wird es Ihnen so oft auffallen, dass Sie in der zweiten Phase in der Lage sein werden, noch vor dem Aussprechen den Gedanken anzuhalten und umzuformulieren. In der dritten Phase schließlich denken Sie gar nicht mehr über die Wörter nach, sondern formulieren ganz natürlich positiv.
Herzlichen Glückwunsch!
Was Sie durchs positive Formulieren gewinnen
Wenn Sie positiv formulieren können, dann sprechen Sie nicht nur bewusster und Hirn-kompatibler, sondern denken auch positiver! Denn um eine Handlungsanweisung zu formulieren wie:
„Bitte sprich erst, wenn ich meinen Gedanken zu Ende gesprochen habe“,
braucht es den lösungsorientierten Gedanken dazu. So kann Sprache also das Denken beeinflussen. Sie haben es in der Hand.


